zurück zum Start:

gelesenes von addi. anderes hier: addis seite!

Dienstag, 24. April 2012

Thomas C. Reeves: John F. Kennedy

Es ist eine sehr fundierte Biographie, die Thomas C. Reeves da abliefert, denn von den fast siebenhundert Seiten sind schon fast einhundert von den Quellenangaben belegt.
Der Untertitel ist Programm: Reeves demontiert das Image des Helden, den Mythos, der seit Dallas den ewig jungen Kennedy umwebt. Anhand unzähliger Zeugenaussagen, Zeitungsartikel, Biographien und Fachliteratur sowie Unmengen interner Regierungsdokumente zerlegt er den Spross des Kennedy-Clans in seine weniger beeindruckenden Bestandteile: seine Krankheiten, seine sexuellen Ausschweifungen, den Kontrast des privaten Kennedy im Vergleich zur Selbstdarstellung in den Medien und - mithin von zentraler Bedeutung - den Einfluss des Vaters, des Partiarchen und Multimillionärs Joseph P. Kennedy, auf die Karriere seines Sohnes. Daraus enspringt ein Bild von JFK, das sich so gar nicht mit der heute immer noch dominierenden Darstellung des ermordeten Präsidenten vertragen will, ein Bild, dass im Gegensatz zu ebenjener Darstellung wie bereits gesagt sehr fundiert ist und in seinen Folgerungen sehr schlüssig.
Doch nicht alles ist positiv an diesem Werk: Einerseits nerven die ständigen Wiederholungen nach einer Weile (ist eben ein amerikanisches Sachbuch), andererseits ist die Übersetzung von Anni Pott eine gnadenlose und dreiste Misshandlung der Sprache. Nicht nur, dass sich zahlreiche Übersetzungsfehler eingeschlichen hätten; auch die Syntax ist im Deutschen kaum zu entwirren. Vermutlich hielt sich Frau Pott zu sehr an den Urtext. Was im Amerikanischen aber lesbar ist, muss es nicht zwangsläufig auch im Deutschen sein. Frau Pott, hin und wieder empfehle ich dringend, den Satzbau umzustellen! Auch ein "." (Punkt) an den richtigen Stellen erntet dankbare Leser, während Ihre durchschnittlich 15 Kommata pro Satz (unübertrieben, leider auch an grundsätzlich falschen Stellen) das Lesen zu einer Qual werden lassen. Ich rate Ihnen dringend (so sehr Sie auch des Amerikanischen mächtig sind) einen Grundkurs in Deutscher Sprache zu absolvieren. Das wäre das Mindeste, was man von einem Übersetzer erwarten darf.


Fazit: Abzüge gibt es für Wiederholungen und Übersetzung, macht:

Thomas C. Reeves: John F. Kennedy. Die Entzauberung eines Mythos. Biographie (orig.: A Question Of Character. A Life of John F. Kennedy). Aus dem Amerikanischen von Anni Pott. Hamburg: Ernst Kabel, 1992. 655 S.

Keine Kommentare:

Kommentar posten